Dienstag, 14. Februar 2012

natur versus ideologie

 mit diesem text moechte ich auf einen artikel der autorin ina freudenschuss auf diestandard.at eingehen. der anlassgebende text findet sich hier.

einleitend moechte ich sagen, dass meine frau vergangenen herbst unsere tochter mittels hypnobirth-methode lediglich im beisein einer hebamme innerhalb von ca. dreieinhalb stunden zur welt gebracht hat. ja, es gab laengere eroeffnungswehen und ja, auf schmerzstillende mittel wurde verzichtet. als kurzen exkurs: diese schmerzen haben ihren sinn. sie sagen dem hirn, dass eine geburt im kommen ist, worauf das hirn mit hormonen reagiert, die den muttermund oeffnen und dann gehts los. schmerzmittel koennen diese koerpereigene kommunikation stoeren oder gar bis zum ausbleiben der wehen fuehren, worauf gerne der kaiserschnitt eingesetzt wird - voellig unnoetig. insofern ist dieser ansatz von hypnobirthing der, unnoetige eingriffe und die damit verbundene kette an komplikationen erst gar nicht zuzulassen.

wir besuchten ab mai einen hypnobirth-kurs, da wir uns auf das default-krankenhaus-system nicht einlassen wollten, die geburt fand auch im geburtshaus hietzing statt. fuer mich - als mann - war es eine wertvolle und wichtige erfahrung. im mainstream ist man ja dazu verdonnert, zuzusehen, abzuwarten und zu hoffen, dass alles gut geht. hp arbeitet mit dem ansatz, dass maenner vor, waehrend und nach der geburt dafuer sorgen, dass die mutter ein ruhiges, angenehmes und moeglichst ungestoertes umfeld hat, man sie unterstuetzt und man souveraen und stark diese grosse aufgabe gemeinsam bewaeltigt.

ist das jetzt schlecht? antifeministisch?

mongan hatte voellig recht, als sie schrieb, die natur hat sich etwas dabei gedacht, es so einzurichten, wie es ist. da nuetzt keine ideologie etwas, maenner werden nun einmal keine kinder bekommen koennen. dass sie aber erwas tun koennen, vermittelt - unter anderen - hp. es macht einen grossen unterschied, ob sich frauen dieser rolle bewusst sind oder nicht, wenn sie wissen, dass diese schmerzen ihren sinn haben und nichts boeses sind. den hinweis auf die unaufgeregte und interventionsfreie geburtenkultur ausserhalb der industrienationen als "postkolonial" abzutun, halte ich persoenlich fuer extrem untergriffig.

vor einigen jahren sagte frau professor hochreiter an der uni wien waehrend eines seminars: "der mutterinstinkt ist gesellschaftlich diktiert". hier sieht man sehr schoen, wohin ideologische verblendung fuehren kann. ein kind war - in der regel - neun monate IN der mutter. es ist dort herangewachsen und damit ein teil der mutter, der selbstaendig wird - aber die verbindung ist noch da. es ist eine einzigartige und unvergleichliche liebe, die jeden tag waechst und ich bin der meinung, dass frauen, die praktisch sofort nach der geburt wieder im arbeitsleben untertauchen und das kind mehr oder weniger damit abschieben, herzlos sind. das habe ich als vater nicht geschaftt, ich war einen monat (urlaubstage aufbrauchedn, da man beamter sein muss, um den "papamonat" zu bekommen) zu hause.

abschliessend frage ich mich: ist meine vaterliebe gesellschaftlich diktiert? und: haben die damen gendertheoretikerinnen eigentlich selbst kinder oder sind sie hier aehnlich qualifiziert wie der pfarrer, der den geburtsschmerz als strafe gottes fuer die vertreibung aus dem paradies erklaert? vielleicht sollten sich diese damen und herren einmal zusammensetzen und ausschnapsen, warum denn eine frau jetzt nicht von natur aus koerperlich dazu geschaffen ist, kinder auf die welt zu bringen.

Freitag, 20. Januar 2012

megaupload und seine klageweiber

es ist also passiert: megaupload wurde "geschlossen", die personen dahinter festgenommen, das fbi hat die geschäftsraeume ausgeraeumt. unter den verhafteten: kim schmitz. einige erinnern sich vielleicht noch an den selbsternannten hackerkoenig, der eigentlich nur ein banaler betrueger war und irgendwann von der bildflaeche verschwand. da ist er wieder, gierig und arrogant wie in besseren tagen.

jetzt ist die situation fuer ihn aber eine andere: die aktivismus-huren von anonymous refreshen wutentbrannt die seiten des fbi, im netz bildet sich ein solidaritaets-tsunami fuer "kimble" und seine paywarez-site. ich empfinde das als den niedergang der filesharing-kultur. warum, ist schnell erklaert:

als ende der 90er dienste wie napster aufkamen, tauschten privatpersonen (anonym) ihre gerippten cd's. im endeffekt nichts anderes, wie das bisherige tapesharing und bootlegging. die industrie reagierte hysterisch und deckte nutzer wie entwickler sowie provider und firmen mit klagen ein, oft mit angehängten rechnungen bestehend aus phantasiesummen.

bis apple wenige jahre spaeter nicht nur den ipod, sondern auch den musikdienst itunes auf den markt brachte, tat sich nichts nennenswertes an der "legal-front", man klagte lieber und züchtete damit passiv die piratenparteien und das, was später zu anonymous werden sollte heran. netzbuerger wurden muendig, organisierten sich und machten politik. ich nenne sie die "erste generation", heute meist in den spaeten zwanzigern bis spaeten dreissigern. die letzte medienwirksame seite aus dieser zeit ist the pirate bay, welche die zeit wohl nur deshalb ueberstand, weil man praktisch geschlossen hinter ihr stand.

dann kam die aera der filehoster. das prinzip ist einfach: man kann etwas hochladen und zum download anbieten. wer es kostenlos tun will, hat teilweise massive beschraenkungen (speed, zeit), wer ein paar euro für verschiedene abo-modelle springen laesst, bekommt vollen zugriff. megaupload kam 2005 und hat bis 2012 einen milliardenumsatz gemacht.

die reaktionen der userbase war vorhersehbar: grosses entsetzen. gleichzeitig gab es auch ueberraschend viele stimmen, welche die schliessung begruessten, nicht nur von den "content-inhabern", sondern auch von filesharern der alten schule. der grund liegt darin, dass sich hier jemand tatsaechlich bereichert hat. es geht nicht mehr darum, dass man ein paar songs tauscht oder nach vergriffenen raritaeten sucht, vielleicht "herr der ringe" als verwackelte kamera-version ein paar wochen vor dem lokalen kinostart im o-ton sehen kann. die filesharer der "zweiten generation", die mit torrent & co. aufwuchsen, haben eine voellig andere grundhaltung: sie erwarten, dass sie alles kostenlos bekommen. sie halten es fuer ihr gottgegebenes recht, sich jeden film, jedes album und jedes spiel herunterladen zu koennen und wer etwas dagegen sagt - vom produzenten bis zum politiker - ist ein reaktionaeres arschloch, der die "freiheit des internets" untergraben will.

oft werden eben dort ideologische rechtfertigungen vorgeschoben: die industrie verdient mit dem schrott eh genug, den film haette ich mir sowieso nie im kino angeschaut, ich protestiere gegen den kapitalismus, und so weiter. dass dabei viele kleinere labels und unabhaengige filmproduzenten vor die hunde gehen und viele kuenstler nie einen serioesen plattenvertrag bekommen, ist ihnen egal.

die eigentliche konsequenz daraus, welche in der industrie fuer ein umdenken sorgen koennte, waere der totalverzicht gewesen, dass beisst sich allerdings mit dem selbsterklaerten "menschenrecht auf freebie-content" - die industrie bekommt hier lediglich das signal, dass interesse besteht und halt einige querulanten glauben, im schlaraffenland zu leben. sie machen ja gute umsaetze, so ist es auch nicht - es steht hier eine betoniererfraktion gegen die andere. auch ein gerne verwendetes argument: "ich habe kopiert, nicht gestohlen!" - ignorierend, dass eine cd/dvd auch nur die kopie eines masters und kein unikat ist.

ich wuerde mir wuenschen, dass filesharer dazu stehen wuerden: "ja, ich will dafuer nicht bezahlen, aber ich will es trotzdem haben". und mit den konsequenzen leben.


Dienstag, 3. Januar 2012

anonymous' populaerantifaschismus.

mit nazis ist das ja so eine sache. offiziell mag sie keiner, irgendwie wird man sie gerade aber auch nicht los. deshalb hat sich anonymous mit der "operation blitzkrieg" zum ziel gesetzt, neonazistische netzwerke zu sprengen. dabei bediente man sich dem ueblichen, erprobten rezept und nutzte scheinbar sicherheitsluecken in computersystemen, holte sich alle moeglichen datensaetze raus und veroeffentlichte diese. was wir nun wissen: wer der npd geld spendet und wer bei dem in rechten kreisen durchaus beliebten modelabel thor steinar online eingekauft hat.

wenig ueberraschend, soweit. der trend, die datensaetze von privatpersonen ungefiltert und mit allen relevanten informationen ins netz zu stellen ist spaetestens seit dem "polizei-leak" seitens anon austrias salonfaehig und immerhin geht es hier um nazis, so die in der community weitgehend akzeptierte kommunikation in dieser sache.

ich halte das fuer fahrlaessig. wen interessiert es, wer sich dort unterhosen bestellt hat oder ein halblustiges, "voelkisches" tshirt? das sind die kleinen fische, die heimlich landser hoeren, nicht die fuehrenden koepfe der szene. und die npd? den betriebsrat des deutschen verfassungsschutzes? ernsthaft? diese ansonsten bedeutungslose null-komma-partei?

das veroeffentlichen von realdaten ist eine in der rechten szene beliebte methode menschen einzuschuechtern. ich halte sie auch fuer eine der widerwaertigsten, da man damit nicht nur "den politischen gegner" attackiert, sondern auch deren familien, abgesehen davon, dass diese angaben wohl nicht immer aktuell sind und leute zum handkuss kommen, die nichts damit zu tun haben. dass anonymous sich dieses werkzeugs bedient und auf der anderen seite sich permanent dazu bekennt "für eine offene gesellschaft, ein freies internet und freie meinungen" zu kämpfen, wirkt da etwas skizo, zumal ich hier die kuehle aesthetik frueherer aktionen vermisse. zu sehr hat es den beigeschmack, sich moeglichst viel jubel von indymedia und co. reservieren zu wollen.

nein, damit will ich den nazis nicht eine lanze als legitime meinungsgruppe brechen. sie sind da, sie werden es auch in irgendeiner form immer bleiben, damit muss man sich abfinden. was viel wirkungsvoller waere, als solche kleinkriege, waere, daran zu arbeiten, den rechten hetzern den boden unter den fuessen weg zu ziehen. sie luegen strafen und damit ihren hass nicht keimen zu lassen. bis dahin muss eine gefestigte demokratie solche totalitaeren ausreisser aushalten koennen, ansonsten ist sie ohnehin eine hohle schale geworden, die ein ueberleben nicht verdient hat.

liebe anons, hier ein kleiner tipp von mir: findet einmal heraus, warum daniel domscheit-berg massenhaft npd-interna geloescht hat, die er von wikileaks gestohlen hat? bin ich der einzige, der einen zusammenhang mit der npd/nsu/vvs-affaire sieht, die kurz spaeter ans licht kam? oder wer betrieb weiterhin alpe-donau? ich denke, hier liegen die wahren schaetze vergraben.

Dienstag, 13. Dezember 2011

kobuk und die subjektive wahrheit

mit watchblogs ist es so eine sache: ich mag sie nicht sonderlich. der grundgedanke, die fragwuerdigen methoden einiger medien oeffentlich und sachlich aufzuarbeiten, ist ein guter. mein problem damit liegt darin, dass man sich meist auf „nonaned-bullshit-medien“ stuerzt (lies: boulevard-medien), was dann meist ohnehin fast ausschliesslich von leuten gelesen wird, die diese meinung ohnehin teilen und dass ich immer hinterfrage, wer denn eigentlich die ueberwacher ueberwacht. da kann es dann schon einmal passieren, dass ein heute-fnord mehr (schaum)wellen schlaegt als ein bericht im standard, in dessen folge ein salzburger club zusperren musste, weil die redaktion „neonazi-veranstaltungen“ ortete, die sich als grufti-parties herausstellten, wo ein paar typen in raeuberzivil zu laibach tanzten. permanente desinformation und rufmord auf plattformen wie indymedia (die mich im netz zwar gerne als „troll“ und „nazi“ beschimpfen, deren sektion „linksunten“ dann aber doch einen vice-artikel ueber anti-wkr-demos 2011von mir vollinhaltlich kopiert hat) bleiben ebenfall unbeachtet.

gestern, am montag des 12. dezembers wurde von helge fahrnberger (@helge) via twitter verkuendet, dass man eine ziemlich große story in arbeit haette, medienvertreter koennen um vorab-infos ansuchen. meines blieb unbeantwortet, mit der begruendung, als blogger „drucke ich nicht auf totes holz“ - manche blog-projekte vergessen scheinbar schnell, wo sie herkommen und wie die bloggosphaere funktioniert.

die kolportierte geschichte wurde dann kurz vor mitternacht online gestellt, sie stammt von hans kirchmeyr (der als @bassena zu meinen followern auf twitter zaehlt), traegt den titel „wenn die ukraine hunde toetet, stirbt bei uns die wahrheit“ und eroeffnet wie folgt:

Straßenhunde sind keine Kuscheltiere, sondern übertragen Krankheiten und sind eine ernste Bedrohung, insbesondere für Kinder. Uns Couch-Tierschützern mag diese Sicht nicht gefallen, aber viele Menschen, die täglich mit Streunern konfrontiert sind, und oft selbst “wie arme Hunde” leben, empfinden es so.


ja. straßenhunde werden in der regel auch von niemanden als „kuscheltiere“ gesehen, das grosz der (mir bekannten) tierschuetzer und tierrechtsaktivisten verbreiten das auch nicht so. der hinweis auf die besondere gefahr fuer kinder ist typisch oesterreichisch, immerhin „muesse doch jemand an die kinder denken!“. dann die eigentliche wuchtel: couch-tierschuetzer. eine gewagte formulierung von jemanden, der medienkritik ueber eine online-plattform publiziert, die davon lebt, dass sie ueber die gleichen kanaele verbreitet wird, wie jene, welche die „couch-tierschuetzer“ verwenden. man koenne glatt von einem „couch-medienbeobachter“ sprechen, was ohnehin ueber das motto „wir lesen zeitung. wir schauen fern“ definiert wird. die feststellung, dass die menschen in der ukraine selbst „wie arme hunde“ leben, laesst mich hoffen, herr kirchmeyr hat sich vor ort ein bild von der lage gemacht, immerhin lebt der serioese journalismus von informationen aus erster hand, am besten aber macht man sich selbst ein bild davon. immerhin ist dieses land in der lage, eine fussball-em teilauszurichten. er selbst bezeichnet diesen absatz auf twitter mir gegenueber als „eine andere sicht auf die thematik“ (die im vorfeld zwar niemand abgestritten hat, aber meinetwegen). weiter geht es mit:

Und sie sind damit nicht allein. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte rügte im Juli Rumänien: Allein im ersten Quartal 2010 seien dort über 2.000 Menschen von wilden Hunden angefallen worden.


gut vorstellbar! viele „westliche“ tierschutzorganisationen versuchen seit jahrzehnten, in diesen laendern groß angelegte sterilisations-aktionen durchzufuehren, errichtet aus spendengeldern private auffangstationen und versucht staatliche tierheime zu entlasten - die meisten dieser bemuehungen werden von korrupten beamten, politikern oder lokalen veterenaeren sabotiert und ausgebremst, was die lage nicht einfacher macht. die „hausgemachte“ loesung ist: die tiere einfach erschlagen.

Das soll nichts entschuldigen, was mit den Tieren passiert. Aber man sollte die Umstände kennen, bevor man über andere Menschen und ganze Länder urteilt.


doch, da soll entschuldigen. die lebensumstaende in diesen laendern sind kein geheimnis. die streuner sind immerhin auch nicht aus dem boden gewachsen, man verbot den menschen zu realsozialistischen zeiten, als man sie in die staedte umquartierte, ihre haustiere mitzunehmen und man lies sie einfach „draussen schlafen“, mit dem ergebnis, dass sie sich - wenig ueberraschend - unkontrolliert zu vermehren begannen. ob und was dagegen getan wird/wurde, siehe oben.


das ist auch einer der gruende, warum ich die toetungen der hunde kritisiere. wuerde man sie einschlaefern, koennte ich damit leben. sie allerdings zu tode zu foltern, ist nicht akzeptabel. irgendwann dieses jahr kam im deutschen fernsehen ein bericht ueber eine frau, deren ehemann (ich bin mir nicht mehr sicher, ob es in rumaenien oder der ukraine war) von einem betrunkenen jugendlichen erstochen wurde, weil er dazwischen ging, als er auf einen am boden liegenden hund eintrat.


genau diese menschen sind jetzt auch die ausfuehrenden elemente der toetungen.


das bringt mich zum naechsten punkt meiner kritik: die ukraine hat ein massives problem mit groestenteils drogenabhaengigen und hiv-infizierten straßenkindern. wie gedenken die behoerden, dieses „kosmetische problem“ zu loesen, um welches man sich ewig nicht kuemmern wollte? kanaldeckel zuschweissen, bis die em gelaufen ist? warum verstehen so viele menschen - wie herr kirchmeyr - nicht, dass der aufschrei gegen die hundstoetungen nicht selten damit einhergeht, dass man aufzeigt, wie probleme in diesen laendern geloest werden? in oesterreich wurde vor kurzem vom verfassungsgerichtshof (!) festgestellt, dass katzen streunen duerfen. in der ukraine werden sie am schwanz gepackt und gegen waende geschlagen (was neben den hunden momentan gerade etwas untergeht, ja, man schlachtet auch tausende katzen ab, quasi „in einem aufwisch“). dem ukrainischen justizminister konnte man letztens beweisen, dass er einen in deutschland als gestohlen gemeldeten mercedes faehrt. wer hat jetzt das recht, die moralkeule in wessen namen zu schwingen?

den restlichen artikel auf kobuk reitet man durchgehend auf fotos herum, welche die krone als „von dort“ abdruckte, tatsaechlich aber vor jahren wo anders entstanden (viele tierschuetzer lehnen dieses stilmittel ohnehin ab). sensationell ist die feststellung nicht gerade, dass in der krone bilder mit falschen subtexten abgedruckt werden, was ich schlimm finde, ist das staendige fazit „das bild ist ein fake, die ganze geschichte wird durch die krone-kampagne unglaubwuerdig“. das sind mechanismen, welche die arbeit von tierschuetzern und monate zurueckwerfen können, weil, und das sollten die kollegen bei kobuk wissen, neigt der oesterreicher dazu, solche informationen unhinterfragt aufzusaugen und 1:1 in gespraechen auszuspucken. deshalb bin ich auch erschrocken, dass der artikel von so vielen menschen binnen der ersten 10 minuten applaudierend im netz verbreitet wurde, die ihn vermutlich nicht einmal zu ende gelesen haben.

herr kirchmeyr spricht auf twitter weiter von einem „stilmittel“, eines, welches ich vom tendenziell hundefeindlichen standard nur zu gut kenne (als ich herrn rauscher wegen 'hund biss frau'-artikeln, in denen zum vergleich mit anderen nachrichtenseiten wie zB orf.at die haelfte des apa-textes fehlte, der das geschehene weniger tragisch aussehen lies, ein recht ausfuehrliches mail schickte, antwortete er mir mit einem einzeiler, ohne anrede oder schluss, nicht einmal satzzeichen wollte er mir zugestehen), wo man vermutlich nicht von einer „kampagne“ sprechen kann (bei der krone wuerde man es), aber der urbane und liberale forenposter (das dortige gegenstueck zum leserbriefschreiber) ergeht sich danach dennoch hemmungslos in postings wie „hunde verbieten“ bis „hunde erschiessen“. aber jetzt schweife ich ab.

abschliessend moechte ich noch schreiben, dass dieser artikel ohne dieser einleitung und das „wag-the-dog-ende“, welches ich als ziemlich zynisch empfinde, wenn man den film kennt, seine berechtigung hat, sofern herr kirchmeyr den grundton des textes auf „die krone schadet dem tierschutz durch verbeitung falscher medien und sabotiert damit das gesamte anliegen, denn gut gemeint ist selten gut gemacht“ angelegt haette, anstatt die kleinste geige der welt zu spielen.

kobuk muss aufpassen, dass es nicht zu dem wird, was es blosszustellen sucht.

Mittwoch, 23. November 2011

das ende der welt?

2012-anhaenger bekommen neues futter: die stadt wien fordert - in kooperation mit einigen supermarkt-ketten, hier am beispiel "billa" - die bevölkerung auf, vorraete anzulegen. vielleicht will man nur den umsatz steigern, vielleicht ist es ein sehr eigenartiges gegengeschaeft, womoeglich weiß die rot-grüne stadtadministration mehr als wir. aber sehen sie selbst, was sie uns in der manifestation von harry kopietz (ja, der vom donauinselfest) zu sagen hat.


eine liste mit kaufempfehlungen haengt ebenso aus. bleibt mir nur noch zu sagen: der naechste krieg kommt bestimmt.


Dienstag, 25. Oktober 2011

die neue demokratie teil zwei.

unlaengst sagte ich in einem forum:

„wenn das, was da in libyen gerade abgeht, eine 'demokratische revolution' sein soll, dann will ich kein demokrat mehr sein.“

der „arabische fruehling“ ist gescheitert. in tunesien kommen die islamisten - demokratisch! - an die macht, in aegypten herrschen mubaraks generaele und schlagen jeden aufflammenden protest am tahir-platz blutig nieder (wahlen nicht in sicht) und libyen bereitet ein grundgesetz basierend auf der scharia vor.

ist es das, was wir unter demokratie verstehen?

auf der einen seite verurteilen wir den iran aufgrund seiner scharia-gesetzgebung, beklagen medial jeden einzelnen gehenkten, auf der anderen schreiben unsere liberalen medien „scharia und demokratie schließen einander nicht aus“ - großartig! also waehrend wir damit beschaeftigt sind, unsere europaeische identitaet auf dem altar der politischen korrektheit und des kommerzes zu opfern, reden wir uns schoen, dass gar nicht so weit weg von uns ganze grundgesetze nach einem orthodoxen religioesen kodex verfasst werden, nachdem das vorherige regime aus dem amt gebombt wurde und kein einziges verbrechen dieses zur anklage kommen wird. dafuer wird jetzt ein (ehemaliger?) al-kaida-kämpfer zum volkshelden der demokratischen revolution ausgerufen. das muss man sich einmal auf der zunge zergehen lassen.

dafuer hat sich der nato-einsatz mit sicherheit gelohnt. die opfer des krieges mahnen uns.

oesterreichischer positiv-revisionismus.

es ist eigentlich ziemlich eigenartig: in oesterreich lebt man eine kultur der erinnerung. kaum ein bereich des dritten reiches und der rolle von oesterreichern in diesem, welcher nicht von allen seiten ausgiebig beleuchtet wird. das nachrichtenmagazin „profil“ bringt gefühlt alle zwei wochen einen entsprechenden cover (zuletzt: „berg heil!" über die rolle der alpenvereine im dritten reich und wie sie sich willfaehrig instrumentalisieren liessen), ich denke, der oesterreichische zeitungsleser gehoert bei diesem thema zum bestinformiertesten der welt.

in letzter zeit scheint sich das allerdings zu aendern. aus „niemals vergessen!“ wird zunehmend „endlich wegmachen!“. konkret gibt es drei beispiele aus der juengeren vergangenheit:


  • hitler-ehrenbuergerschaften
  • grenzsteine der „reichsforste“
  • antiquarische ausgaben von „mein kampf“


es war eines der top-themen des heurigen sommerlochs: die eherenbuergerschaften adolf hitlers. angefangen in amstetten, wo man diese schleunigst aufheben liess, bishin zu klagenfurt, wo man sie aufhob, bevor ueberhaupt klar war, ob er dort jemals eine inne hatte. die links-buergerliche presse jubelte, die fpoe war der buh-mann, weil man dabei nicht mitspielte, mit dem verweis, dass ehrenbuergerschaften von ns-kadern prinzipiell vom allierten kontrollrat aufgehoben wurden, oder nach dem tod zeitlich erloeschen (was davon stimmt sei dahin gestellt, scheinbar wurde an dieser stelle nicht weiter geforscht).

meiner meinung nach war das ein fehler. am beispiel amstetten: hitler war - wie es in totalitaeren regimen so ueblich ist - zu dieser zeit in vielen staedten und gemeinden ehrenbuerger oder es gab zumindest einen „hitler-platz“ oder dergleichen. die einzig historisch korrekte vorgehensweise waere gewesen, diese „eherenbuergerschaft“ so zu belassen und eine gedenktafel am rathaus (oder etwas vergleichbares) anzubringen, die auf diese ehrerbietung aus dunkler zeit hinweist. so muesste der umgang mit der eigenen geschichte aussehen. irgendwie kann man ja froh sein, dass man nicht darueber diskutiert, mauthausen zu schleiffen; der gedankengang ist der selbe.

selbiges bei den grenzsteinen der bundesforste. da diese nach dem anschluss in den reichsforsten aufgingen, wurden grenzsteine mit der gravur/aufschrift „RF“ aufgestellt und bis heute wurden noch nicht alle wieder entfernt oder in „BF“ umbeschriftet. der tageszeitung der standard war dies sogar einen eigenen artikel wert, inklusive dem hinweis, dass „am sonntag niemand fuer eine stellungnahme erreichbar“ (sic!) war.

ebenfalls beim standard vermeldete man einen buchhaendler, der antiquarische ausgaben von hitlers „mein kampf“ in der auslage hatte und sie auch verkaufte. meines wissens nach ist das nicht verboten und moral macht bekanntlich nicht satt, dennoch wurde strafanzeige gestellt.

das ist ein antifaschistischer kardinalsfehler. „mein kampf“ ist nicht nur eines der sproedesten und langatmigsten manifeste der politgeschichte, sondern auch eines der skurrilsten und unfreiwillig selbstzynischsten. wuerde es nach mir gehen, dann wuerde man dieses buch im schulunterricht besprechen, denn danach kann man die nationalsozialistische ideologie unmoeglich laenger ernst nehmen. mit den verboten auf biegen und brechen mystifiziert man dieses werk allerdings und der geneigte leser wird es mit ganz anderen augen betrachten.

vielleicht sollte man langsam darueber nachdenken, wie wir mit der eigenen geschichte umgehen. vielleicht ist es an der zeit, den mahnenden finger etwas zu reduzieren und dazu zu stehen, dass man einmal teil davon war und auch einzugestehen, dass man hass sehr effektiv damit bekaempfen kann, indem man ihn der laecherlichkeit preis gibt. charlie chaplin erkannte das ja schon recht frueh.